Auf einen Blick
- Weiches Licht von der Seite, etwa von einem Fenster, modelliert ein Gesicht am einfachsten; wie weich Licht ist, hängt vor allem von der Größe der Lichtquelle und ihrem Abstand ab.
- Fokussiere auf die Pupille, bei seitlich gedrehtem Gesicht auf das Auge, das der Kamera näher ist.
- Klassische Porträtbrennweiten liegen im Kleinbildformat bei etwa 80 bis 135 mm; 50 mm eignet sich für größere Ausschnitte mit etwas Abstand.
- Wer Fotos von erkennbaren Personen veröffentlichen will, braucht in Deutschland grundsätzlich deren Einwilligung (§ 22 KUG); das ist eine allgemeine Information, keine Rechtsberatung.
Welches Licht eignet sich am besten für Porträts?
Weiches Licht, das schräg von der Seite auf das Gesicht fällt, ist der einfachste Start. Wie weich oder hart Licht wirkt, hängt laut Wikipedia vor allem von der wirksamen Größe der Lichtquelle und ihrem Abstand zum Motiv ab. Die Art der Quelle (Softbox, Schirm oder Fenster) ist nicht das Entscheidende. Ein großes Fenster nah am Gesicht liefert deshalb sehr weiches Licht.
Das Titelfoto zeigt ein Porträt eines Mannes mit Brille am Fenster, und seitliches Tageslicht modelliert das Gesicht. Eine Gesichtshälfte ist heller, die andere etwas dunkler, so entstehen Plastizität und Tiefe. Du erkennst die Lichtrichtung an den Schatten unter Nase und Kinn.
Fensterlicht
Stelle die Person seitlich zu einem großen Fenster, ohne direkte Sonne im Raum. Dreh sie leicht zum Licht, bis ein weicher Schatten auf der abgewandten Seite entsteht. Eine weiße Fläche (Karton, Bettlaken) auf der Schattenseite hellt die Schatten auf. Schalte Deckenlicht aus, es mischt Lichtfarben. Warum das stört, erklärt der Ratgeber zum Weißabgleich.
Offener Schatten
Draußen ist offener Schatten, zum Beispiel am Rand eines Gebäudes oder unter einem Vordach mit freiem Blick zum Himmel, eine zuverlässige Wahl. Die Person steht im Schatten, bekommt aber Licht vom großen, hellen Himmel. Vermeide Schatten unter Bäumen mit Lichtflecken im Gesicht.
Goldene Stunde
Als goldene Stunde bezeichnet die Wikipedia in der Fotografie die Stunde nach Sonnenaufgang und die Stunde vor Sonnenuntergang. Die Sonne steht tief, und das Licht erscheint wärmer.
Auf diesem Foto steht eine Frau im Profil bei tief stehender Sonne, das Gegenlicht lässt ihr Haar leuchten. Der helle Saum um den Kopf und die Haare ist ein typischer Effekt der tief stehenden Sonne im Rücken der Person. Damit das Gesicht nicht zu dunkel wird, beachte den Abschnitt zum Gegenlicht.
Gegenlicht
Gegenlicht bedeutet: Die Lichtquelle liegt in Richtung des Motivs, hinter der Person. Wikipedia nennt als Effekte unter anderem eine Silhouette, einen hellen Lichtsaum um Haare und Ränder, Streulicht-Reflexe im Objektiv und Schleier. Der Belichtungsmesser der Kamera liegt dabei oft falsch: Die Bilder werden zu dunkel, wenn die Lichtquelle im Messfeld liegt. Die Quelle nennt als Abhilfe, selektiv auf das Gesicht zu messen, bei integraler Messung ein bis zwei Blenden stärker zu belichten, einen Reflektor oder Blitz zu nutzen und eine Streulichtblende zu verwenden. Mehr zur Belichtungsanpassung steht im Ratgeber zur Belichtungskorrektur.
Worauf fokussiere ich bei einem Porträt?
Auf die Pupille. Wikipedia hält fest, dass genaue Schärfe auf der Pupille den Augenbereich betont. Das Auge ist der Ankerpunkt: Wir sehen zuerst dorthin. Ist das Gesicht seitlich gedreht, nimmst du das Auge, das der Kamera näher ist; das hintere darf weicher sein.
Das Foto zeigt die Nahaufnahme eines Frauengesichts, ein schmaler warmer Lichtstreifen fällt über Auge und Wange. Genau solche Details machen Nahaufnahmen spannend, setzen aber voraus, dass das Auge exakt scharf ist. Bei sehr geringer Tiefenschärfe reicht ein Millimeter Abweichung, und die Wimpern sind scharf, die Pupille nicht.
So gehst du vor:
- Aktiviere im Kameramenü einen einzelnen Fokuspunkt oder den Augen-Autofokus, falls deine Kamera ihn hat.
- Lege den Punkt auf die Pupille des näheren Auges.
- Löse aus, ohne danach neu zu schwenken. Wenn du erst fokussierst und dann den Ausschnitt änderst, kann die Schärfe leicht verrutschen.
- Kontrolliere auf dem Display, vergrößere das Bild, und schau, ob das Auge scharf ist.
Welche Brennweite und welche Blende nehmen?
Als klassische Porträtbrennweite nennt Wikipedia Teleobjektive von etwa 80 bis 135 mm (auf Kleinbild umgerechnet). Sie zeigen das Gesicht ohne auffällige Verzerrung und ohne dass es flach wirkt. Bei Kameras mit kleinerem Sensor rechnest du mit dem Formatfaktor um: Dasselbe Bildergebnis erreichst du mit einer entsprechend kürzeren Brennweite. Als Normalbrennweite gelten bei Kleinbild laut Wikipedia etwa 40 bis 55 mm; sie bildet Größenverhältnisse ähnlich wie das Auge ab.
| Brennweite (Kleinbild) | Typischer Einsatz | Hinweis |
|---|---|---|
| etwa 50 mm | Halbfigur, Ganzkörper, Umgebungsporträt | Mit Abstand arbeiten, nicht zu nah ans Gesicht |
| etwa 85 mm | Brustbild, Kopf und Schulter | Klassische Porträtbrennweite |
| etwa 105 bis 135 mm | Enger Gesichtsausschnitt, starker Hintergrund-Abstand | Du brauchst mehr Platz zwischen dir und der Person |
Wenn du zwischen mehreren Optionen schwankst, hilft der Vergleich im Ratgeber Festbrennweite oder Zoom.
Zur Blende: Eine geringe Schärfentiefe ist laut Wikipedia ein wichtiges Gestaltungsmittel, um das Motiv vom Hintergrund zu trennen. Porträtobjektive für Kleinbild haben typischerweise eine Offenblende von f/2,8 oder größer, es gibt sie bis f/1,2. Bei weit geöffneter Blende (kleine Blendenzahl wie f/2) verschwimmt der Hintergrund stärker. Schließt du auf f/5,6 oder f/8, werden mehr Details hinter der Person erkennbar, und bei Gruppenporträts liegen mehr Gesichter in der Schärfe. Alle Zusammenhänge erklärt der Ratgeber zur Tiefenschärfe.
Wie wirkt der Hintergrund auf das Porträt?
Der Hintergrund bestimmt, ob das Gesicht oder die Umgebung die Hauptrolle spielt. Prüfe vor dem Auslösen die Ränder: Äste, Schilder oder helle Flecken hinter dem Kopf lenken ab. Dreh die Person oder wechsle den Standpunkt um ein paar Schritte, bis der Hintergrund ruhig ist. Je weiter die Person vom Hintergrund entfernt steht, desto weicher wird er bei geöffneter Blende.
Dunkle, gleichmäßige Hintergründe lassen helle Haut stärker hervortreten, helle Hintergründe wirken luftig.
Wie fotografiere ich Porträts in Schwarzweiß?
Schwarzweiß lenkt die Aufmerksamkeit auf Licht, Form und Ausdruck, weil Farbe als Ablenkung entfällt. Das heißt auch, dass Kontraste und Lichtführung wichtiger werden.
Dieses Foto zeigt ein schwarzweißes Studioporträt einer Frau mit zurückgebundenem Haar vor grauem Hintergrund. Weil Farben fehlen, siehst du, wie das Licht Gesichtsform, Wangenknochen und Haut zeichnet. Der graue Hintergrund trennt die Person ohne Ablenkung vom Hintergrund.
Tipps für Schwarzweiß:
- Achte auf klare Lichtrichtung und deutliche Helligkeitsunterschiede.
- Fotografiere am besten in RAW und wandle am Rechner um, so behältst du die Farbinformationen.
- Hautfarben und Kleidung ergeben unterschiedliche Grautöne. Probiere beim Umwandeln aus, wie sie sich verändern.
Wie leite ich Menschen an und wie posieren sie?
Rede mit der Person, bevor du fotografierst und währenddessen. Erkläre, was du vorhast, zeige zwischendurch ein Bild auf dem Display und gib klare, kurze Anweisungen („Kinn leicht nach vorn“, „Schultern locker“). Menschen wirken entspannt, wenn sie wissen, was passiert.
Grundlagen zum Posieren:
- Körper leicht drehen: Eine Schulter etwas zur Kamera wirkt natürlicher als frontal.
- Hände beschäftigen: In der Tasche, an einer Tasse oder im Haar, statt unbeholfen herunterhängend.
- Kinn: Leicht nach vorne und unten verhindert ein Doppelkinn.
- Blick: Direkt in die Kamera wirkt nah, am Objektiv vorbei wirkt nachdenklich.
- Serie statt Einzelbild: Mach viele Bilder und sprich dabei. Die besten Ausdrücke kommen oft zwischen den Posen.
Wie fotografiere ich Kinder?
Gehe auf Augenhöhe und nimm dir Zeit. Kinder reagieren auf Druck mit Verweigerung, auf Spiel mit Interesse. Fotografiere in Serien, während das Kind etwas tut, und lass Pausen zu.
Das Foto zeigt ein Mädchen vor dunkler, strukturierter Wand mit weichem Licht von der Seite. Du erkennst, wie ruhig der Hintergrund bleibt und wie das seitliche Licht das Gesicht modelliert, ohne es hart zu schneiden. Das Kind steht entspannt, nichts lenkt vom Gesicht ab.
Praktische Tipps:
- Augenhöhe: Geh in die Hocke oder knie dich hin.
- Tageslicht: Nutze ein großes Fenster oder offenen Schatten, damit du keinen Blitz brauchst.
- Kurze Verschlusszeit: Kinder bewegen sich schnell. Achte darauf, dass die Verschlusszeit kurz genug bleibt, notfalls erhöhst du den ISO-Wert.
- Geduld: Plane Pausen ein, lass das Kind spielen und warte auf den Moment.
- Fragen vor dem Veröffentlichen: Hole für Fotos fremder Kinder vorher die Zustimmung der Eltern ein.
Brauchst du eine Erlaubnis für Porträts?
Ja, wenn du ein erkennbares Foto einer Person veröffentlichen willst, brauchst du in Deutschland grundsätzlich deren Einwilligung. § 22 des Kunsturhebergesetzes (KUG) lautet sinngemäß: Bildnisse dürfen nur mit Einwilligung der abgebildeten Person verbreitet oder öffentlich zur Schau gestellt werden (Quelle: Gesetze im Internet). Im Zweifel gilt die Einwilligung als erteilt, wenn die Person dafür eine Entlohnung erhielt. Nach dem Tod braucht es bis zu zehn Jahre lang die Einwilligung der Angehörigen.
Laut Wikipedia gibt es in § 23 KUG Ausnahmen, etwa für Bilder aus dem Bereich der Zeitgeschichte, für Personen als Beiwerk neben einer Landschaft oder Örtlichkeit und für Versammlungen. Diese Ausnahmen gelten nicht, wenn berechtigte Interessen der abgebildeten Person verletzt werden. Entscheidend ist die Erkennbarkeit: Sie kann sich auch aus dem Zusammenhang ergeben, nicht nur aus dem Gesicht. § 22 regelt das Verbreiten und Zeigen. Schon das Anfertigen von Bildern kann nach der Rechtsprechung im Einzelfall das allgemeine Persönlichkeitsrecht verletzen.
Das ist eine allgemeine Orientierung, keine Rechtsberatung. Bei konkreten Fragen, etwa für Unternehmen, Vereine oder Veröffentlichungen im Netz, lass dich beraten. Für den Alltag gilt: Frage, bevor du fotografierst, und kläre, wo das Bild erscheinen soll. Für Fotos, die später beruflich verwendet werden, etwa Bewerbungen, findest du Hinweise im Ratgeber Bewerbungsfoto Tipps.
Häufige Fehler bei Porträts
- Fokus auf Nase oder Stirn statt aufs Auge.
- Mischlicht: Fensterlicht und Deckenlampe zugleich ergeben unterschiedliche Farbstiche.
- Zu dunkles Gesicht im Gegenlicht, weil die Kamera auf den hellen Hintergrund misst.
- Zu kurze Brennweite aus zu geringem Abstand: Das Gesicht kann dann verzerrt wirken; geh lieber einen Schritt zurück und nutze etwas mehr Brennweite.
- Unruhiger Hintergrund, der vom Gesicht ablenkt.
- Schweigen während des Shootings: Gespräch entspannt.
Checkliste vor dem Shooting
- Lichtquelle gewählt (Fenster, offener Schatten, tiefe Sonne).
- Hintergrund geprüft, Ränder frei von Störendem.
- Brennweite und Abstand festgelegt.
- Blende gewählt: weit offen für weichen Hintergrund, etwas geschlossener für Gruppen.
- Fokuspunkt auf das nähere Auge.
- Gespräch begonnen, Ziel und Verwendung der Bilder geklärt, Einwilligung eingeholt.
- Serie fotografiert, Ergebnis kontrolliert.
Häufige Fragen
Welche Brennweite eignet sich für Porträts?
Als klassische Porträtobjektive gelten laut Wikipedia Teleobjektive von etwa 80 bis 135 mm (Kleinbild-äquivalent). Sie zeigen Gesichter ohne auffällige Verzerrung und ohne flachen Eindruck. Mit 50 mm funktionieren Brust- und Halbfigurenporträts, wenn du etwas Abstand hältst. Bei kleineren Sensoren rechnest du mit dem Formatfaktor um.
Auf welches Auge fokussiere ich?
Auf die Pupille. Ist das Gesicht seitlich gedreht, wählst du das Auge, das der Kamera näher ist. Das ferne Auge darf etwas weicher sein. Viele Kameras haben eine Augen-Autofokus-Funktion, die du im Menü aktivieren kannst.
Muss ich Menschen fragen, bevor ich sie fotografiere?
Veröffentlichen darfst du Bildnisse nur mit Einwilligung der abgebildeten Person (§ 22 KUG), mit gesetzlichen Ausnahmen in § 23. Das Anfertigen des Fotos kann je nach Umständen ebenfalls Persönlichkeitsrechte berühren. Fragen ist deshalb die sicherste und höflichste Lösung. Das ist keine Rechtsberatung.
Wie fotografiere ich Kinder gut?
Gehe auf Augenhöhe, gib dem Kind Zeit und Beschäftigung und fotografiere in Serien statt auf Kommando. Natürliches Tageslicht und ein ruhiger Hintergrund helfen. Wenn du die Bilder veröffentlichen willst, frage vorher die Eltern.