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Bewerbungsfoto: Kleidung, Vorbereitung und Tipps für deinen Termin

Ein Bewerbungsfoto ist in Deutschland keine Pflicht, aber weiterhin verbreitet. Hier steht, was du anziehst, wie du dich vorbereitest, was du vorab klärst und worauf du bei den Rechten an den Bildern achtest.

Business-Porträt eines Mannes mit Brille und dunklem Sakko vor hellem, unscharfem Büro

Auf einen Blick

  • Ein Foto in der Bewerbung ist in Deutschland nicht vorgeschrieben; Stellenanzeigen verlangen es laut Wikipedia seit dem AGG selten ausdrücklich, kleine Firmen erwarten es aber oft inoffiziell.
  • Die Kleidung richtet sich nach der Branche und nach dem, was du im Job tragen würdest, eher einfarbig und ruhig als gemustert.
  • Feine Streifen, enge Karos und Fischgrät können im Bild flimmern (Moiré), weil sie mit dem regelmäßigen Raster des Sensors überlagern.
  • Frag vorab nach digitalen Dateien und den Nutzungsrechten: Das Urheberrecht bleibt beim Fotografen, du bekommst ein Nutzungsrecht, dessen Umfang im Vertrag stehen sollte.

Brauche ich überhaupt ein Bewerbungsfoto?

Nein, ein Foto ist in Deutschland nicht vorgeschrieben. Laut Wikipedia gehörte es traditionell zur Bewerbung, wird aber seit dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG) in Stellenanzeigen selten ausdrücklich verlangt. Inoffiziell erwarten es vor allem kleine Unternehmen oft noch. Wer keins beilegt, lässt also eine Gewohnheit weg, keine Pflichtangabe.

Hintergrund ist die Diskussion um Diskriminierung: Ein Foto verrät Alter, Geschlecht oder Herkunft, bevor jemand Qualifikationen gelesen hat. Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes startete deshalb im November 2010 ein Modellprojekt zu anonymisierten Bewerbungen, bei denen unter anderem Foto, Name und Adresse fehlen. Nach dem Abschlussbericht des beteiligten Instituts (IZA, April 2012) gab es positive Effekte für Bewerber und Unternehmen (Quelle: Wikipedia, Artikel „Anonymisierte Bewerbung“).

Für deine Entscheidung gilt: Beide Wege sind legitim. Ein Foto kann sinnvoll sein, wenn du dich bei einem kleinen Betrieb oder in einer Branche bewirbst, in der Auftreten zählt. Gibt die Stellenanzeige oder das Portal „anonymisierte Bewerbung“ vor, lässt du es weg. Ein Foto ist außerdem ein personenbezogenes Datum; es darf laut Wikipedia nicht veröffentlicht oder über gesetzliche Fristen hinaus aufbewahrt werden.

Auf dem Foto oben siehst du ein klassisches Business-Porträt: ein Mann mit Brille und dunklem Sakko vor hellem, unscharfem Büro. Der Hintergrund ist ruhig und ohne Details, sodass der Blick beim Gesicht bleibt. Das ist das Muster, das du für dein eigenes Foto anstrebst.

Welche Kleidung passt zu welcher Branche?

Die beste Orientierung ist die Frage, was du im ersten Arbeitsmonat tragen würdest. Die Tabelle ist eine Orientierung aus allgemein üblichen Dresscodes, keine Vorschrift; ein Foto-Termin verlangt meist etwas mehr Sorgfalt als der Alltag.

BrancheKleidungFarben
Banken, Versicherung, Recht, BeratungAnzug oder Blazer mit Hemd oder Bluse, Krawatte optionalDunkelblau, Anthrazit, Grau, Weiß
Verwaltung, öffentlicher DienstSakko oder Blazer, schlichtes Hemd oder Blusegedeckte Töne, Blau, Grau
IT, Technik, IngenieurwesenHemd, Polo oder Pullover mit Sakko als OptionBlau, Grau, Grün, Weiß
Gesundheit, Pflege, SozialesSchlichtes Oberteil, Hemd oder Bluse, nahbares Auftretenhelle, freundliche Töne wie Hellblau oder Salbei
Kreativ, Marketing, MedienGepflegt und individuell, etwas Persönlichkeit erlaubtauch kräftigere Farben, wenn sie ruhig wirken
Handwerk, AusbildungOrdentliches Hemd, Poloshirt oder Bluseeinfarbig, nicht zu grell

Wichtiger als der Dresscode ist die Passform. Ein Blazer, der an den Schultern spannt, oder ein Kragen, der absteht, fällt auf Porträts stärker auf als im Alltag, weil der Ausschnitt eng ist: Meist siehst du Kopf, Schultern und etwas Brust. Probiere das Outfit mehrere Tage vorher an, setz dich darin hin und hebe die Arme.

Nahes Porträt eines lächelnden Mannes in Strickjacke vor blaugrauem Hintergrund

Das Foto zeigt einen lächelnden Mann in Strickjacke vor blaugrauem Hintergrund. Der ruhige, einfarbige Hintergrund und die einfarbige Kleidung lassen das Gesicht im Mittelpunkt stehen. Das ist gerade im engen Bildausschnitt ein Vorteil: Weniger Details lenken weniger ab.

Welche Farben und Muster solltest du vermeiden?

Wähle einfarbige oder sehr dezent gemusterte Kleidung. Sehr feine Streifen, kleine Karos und Fischgrät können im Foto flimmern. Das nennt man Moiré: Wikipedia beschreibt, dass dieser Effekt entsteht, wenn sich zwei regelmäßige Muster überlagern. In der Fotografie tritt er auf, wenn ein feines Muster im Motiv, etwa Stoff, auf das regelmäßige Raster des Kamerasensors trifft. Der Effekt zeigt sich als Wellen oder Farbstreifen in einer Fläche, die in Wirklichkeit ruhig aussieht. Auf dem Bildschirm vor Ort ist er manchmal schwer zu erkennen und fällt erst bei der späteren Ansicht auf.

Ein paar weitere Orientierungen für die Kleidung:

  • Große Logos und Schriftzüge lenken ab und passen selten zur Bewerbung.
  • Neonfarben und sehr helle Weißtöne können die Haut im Bild fahl wirken lassen. Cremeweiß und Hellgrau sind oft angenehmer.
  • Farbe zum Hintergrund: Trägst du dieselbe Farbe wie der Hintergrund, verschwimmt die Kontur. Frag vorab, welche Hintergrundfarbe vorgesehen ist.
  • Ausschnitt: Ein klarer Kragen oder Ausschnitt wirkt auf Porträts ordentlicher als Stoff, der sich an Hals und Schultern wellt.

Mehr zu Hauttönen und warmen oder kalten Farbstimmungen im Bild findest du im Ratgeber zum Weißabgleich.

Wie gehen Brille, Haare und Make-up?

Alles soll so aussehen wie du an einem guten Tag. Das Foto wird mit dir verglichen, wenn du zum Vorstellungsgespräch kommst. Neue Frisur oder ein stark verändertes Make-up kurz vor dem Termin sind deshalb eher ein Risiko.

Brille: Gläser können das Licht von Lampen und Fenstern spiegeln. Bring die Brille mit, die du im Alltag trägst, und sprich vorab mit dem Fotografen darüber: Er kann Lichtquellen oder deinen Kopfwinkel anpassen, damit die Spiegelungen die Augen nicht verdecken. Saubere Gläser helfen. Wenn du die Brille nur zum Lesen brauchst, kannst du fragen, ob Aufnahmen ohne Brille möglich sind; trägst du sie sonst immer, gehört sie auch aufs Foto, damit du wiedererkennbar bleibst.

Haare: Schneide sie nicht am Vortag, sondern ein paar Tage vorher, damit sie sich eingewachsen anfühlen. Lange Haare lässt du so, dass sie das Gesicht rahmen und nicht davor hängen. Einzelne Strähnen auf den Schultern fallen im Foto auf.

Make-up: Zurückhaltend und matt. Glanz auf Stirn und Nase wirkt im Blitz- oder Studiolicht stärker als im Spiegel. Ein Puder, das du ohnehin benutzt, genügt oft. Männer rasieren sich am selben Morgen oder lassen den Bart sauber getrimmt.

Lächelnde Frau mit Locken und gestreifter Strickjacke vor einer Glaswand im Büro

Das Foto zeigt eine lächelnde Frau mit Locken und gestreifter Strickjacke vor einer Glaswand im Büro. Die Strickjacke hat ein grobes Streifenmuster; das ist ein Beispiel dafür, dass grobe Muster eher verträglich sind als feine Nadelstreifen. Hinter der Frau liegt ein unscharfer Büroraum.

Welches Format und welche Position im Lebenslauf?

Üblich ist ein Hochformat, meist mit Kopf und Schultern. Das Foto steht klassisch oben rechts im Lebenslauf, in vielen modernen Vorlagen auch oben links neben dem Namen. Eine feste Norm gibt es nicht; wichtig ist, dass es zum Layout passt und nicht zu klein ist. Ein Querformat taugt für das Foto im Lebenslauf selten, kann aber für eine persönliche Website oder ein Anschreiben mit Seitenbild passen.

Für Bewerbungen im PDF- oder JPG-Format gilt: Lass dir das Foto in hoher Auflösung geben und skaliere es selbst im Layout herunter. Aus einem kleinen Bild lässt sich später kein scharfes großes machen. Wikipedia nennt als übliche Wege der Bewerbung Online-Portale, E-Mail mit PDF-Anhang und Online-Formulare, in denen Dokumente meist als PDF oder JPG hochgeladen werden.

Bei der Wahl des Ausschnitts helfen die Regeln aus der Bildkomposition nur bedingt, denn ein Bewerbungsfoto ist bewusst schlicht: Augen im oberen Drittel, Blick in die Kamera oder leicht daran vorbei, genug Luft über dem Kopf.

Studio oder draußen: was passt zu dir?

Ein Studio bietet kontrolliertes, gleichmäßiges Licht und einen neutralen Hintergrund; das Ergebnis ist unabhängig vom Wetter. Außenaufnahmen wirken oft lockerer und passen zu Berufen, in denen Nahbarkeit zählt. Dort entscheiden Tageszeit und Schatten: Direkte Mittagssonne wirft harte Schatten unter Augen und Nase, bedeckter Himmel oder Schatten liefert weiches Licht.

Als Faustregel: Für Banken, Verwaltung und Recht ist ein neutraler Hintergrund die sichere Wahl. Für Kreativberufe darf ein Bild mit Umgebung dazu, solange der Hintergrund unscharf und ruhig bleibt. Wie ein ruhiger, unscharfer Hintergrund entsteht, erklärt der Ratgeber zu Porträtfotografie.

Frau in grauem Blazer sitzt lächelnd vor warm beleuchteter Wand neben einem Fenster

Auf diesem Foto sitzt eine Frau in grauem Blazer lächelnd vor einer warm beleuchteten Wand neben einem Fenster. Die Wand ist unscharf, und das Licht kommt von der Seite; dadurch wirkt das Gesicht plastisch. Das Beispiel zeigt, dass ein Bewerbungsfoto auch ohne Studio mit Tageslicht am Fenster funktionieren kann.

Was ist beim Foto für LinkedIn und Xing anders?

Das Profilbild in sozialen Netzwerken wird klein angezeigt, oft als Kreis oder Quadrat. Deshalb brauchst du einen engeren Ausschnitt als in der Bewerbungsmappe: Das Gesicht soll auch in der Miniatur noch erkennbar sein. Die genauen Pixelvorgaben ändern sich; lies sie vor dem Upload in den Hilfeseiten des Netzwerks nach.

LinkedIn selbst schreibt in seiner Hilfe, dass ein gutes Profilfoto die Glaubwürdigkeit des Profils erhöht und Mitglieder mit Foto laut LinkedIn bis zu doppelt so viele Profilaufrufe erhalten. Du kannst dasselbe Foto wie in der Bewerbung nutzen, wenn es zu deiner Branche passt, solltest dabei aber die Nutzungsrechte prüfen (siehe unten). Nimm kein Urlaubsfoto und kein Gruppenbild mit weggeschnittenen Personen.

Was fragst du den Fotografen vorab?

Ein kurzes Gespräch oder eine Nachricht vor dem Termin spart Enttäuschungen. Dieser Ratgeber ersetzt keinen Fotografen und bietet selbst keine Aufnahmen an; die Fragen helfen dir bei jedem Anbieter, auch aus dem Überblick der Heidelberger Studios.

  1. Wie viele Bilder bekomme ich als fertige, bearbeitete Datei, und wie viele darf ich aus der Auswahl wählen?
  2. Erhalte ich die Dateien digital in hoher Auflösung, und wann?
  3. Welche Nutzung ist erlaubt: Bewerbungsmappe, Online-Profile, soziale Netzwerke, Website?
  4. Wie stark wird retuschiert, und kann ich Korrekturen verlangen?
  5. Welches Licht und welcher Hintergrund sind vorgesehen, und was soll ich dazu tragen?
  6. Wie lange dauert der Termin, und darf ich einen Kleidungswechsel mitbringen?
  7. Was passiert, wenn ich krank werde oder den Termin verschieben muss?

Preise nennt dieser Ratgeber bewusst nicht: Sie schwanken je nach Anbieter und Leistungsumfang. Lass dir das Angebot schriftlich geben.

Wie viel Retusche ist in Ordnung?

Kleine Korrekturen sind üblich: Hautunreinheiten, einzelne abstehende Haare, Staub, leichte Farb- und Helligkeitsanpassung. Wer sich im Foto kaum wiedererkennt, hat ein Problem im Vorstellungsgespräch. Frag nach, was in der Bearbeitung enthalten ist, und lehne Veränderungen von Gesichtsform, Körper oder Alter ab. Es geht um Wiedererkennbarkeit, nicht um ein Idealbild. Wie Bildbearbeitung mit Rohdaten funktioniert, steht im Ratgeber RAW oder JPEG.

Wem gehören die Bilder, und was darfst du damit tun?

Die Rechte am Bild sind geregelt, aber im Alltag oft unklar. Nach Wikipedia (Artikel „Nutzungsrecht“) kann das Urheberrecht in Deutschland nicht übertragen werden, weil es nur durch Vererbung weitergegeben wird; Urheber können aber Nutzungsrechte einräumen (§ 31 UrhG). Das heißt: Der Fotograf bleibt Urheber, du bekommst ein Recht, die Bilder zu nutzen.

Dabei gibt es zwei Arten. Ein einfaches Nutzungsrecht erlaubt dir die Nutzung, andere dürfen sie aber auch nutzen. Ein ausschließliches Recht schließt alle anderen aus. Das Recht kann räumlich, zeitlich oder inhaltlich begrenzt sein. Ist der Umfang im Vertrag nicht genannt, wird er nach dem Zweck des Vertrags ausgelegt (Zweckübertragungslehre, § 31 Abs. 5 UrhG). Ein Bewerbungsfoto zu bestellen, schließt damit nicht automatisch die Nutzung auf allen Plattformen ein.

Darum: Lass dir schriftlich bestätigen, dass du die Bilder für Bewerbungen, Online-Profile und soziale Netzwerke ohne zeitliche Begrenzung nutzen darfst. Frage außerdem, ob der Fotograf die Bilder selbst für Werbung nutzen möchte; das braucht deine Einwilligung. Dies ist eine Orientierung, keine Rechtsberatung.

Häufige Fehler

  • Das Foto ist älter als zwei, drei Jahre und zeigt dich anders als heute.
  • Selfie oder Passfoto-Automat statt gleichmäßig ausgeleuchtetem Porträt.
  • Fein gemusterte Kleidung, die im Bild flimmert.
  • Stark retuschierte Haut und ein Lächeln, das nicht zu dir passt.
  • Nutzungsrechte nicht geklärt und Dateien nur als kleines Vorschaubild erhalten.

Checkliste für den Vortag

  1. Kleidung bügeln, Fusseln entfernen, Knöpfe und Nähte kontrollieren.
  2. Kleidung anprobieren und im Sitzen und mit gehobenen Armen prüfen; ein Ersatzoberteil einpacken.
  3. Brille putzen, Ersatz bereitlegen, falls du eine zweite hast.
  4. Haare nicht mehr schneiden; Nägel sauber, Rasur oder Bartpflege planen.
  5. Termin, Adresse und Anfahrt prüfen; früh genug losgehen.
  6. Die Fragenliste und gegebenenfalls Vertragsunterlagen mitnehmen.
  7. Genug schlafen und ausreichend trinken; wenig Salziges, damit Gesicht und Augen nicht geschwollen wirken.
  8. Vorab klären: Dateiformat, Nutzungsrechte, Lieferzeit.

Häufige Fragen

Ist ein Bewerbungsfoto in Deutschland Pflicht?

Nein. Laut Wikipedia werden Fotos seit dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG) in Stellenanzeigen selten ausdrücklich verlangt. Inoffiziell erwarten besonders kleine Unternehmen oft noch eines. Du entscheidest selbst, ob du eines beilegst.

Welche Kleidung eignet sich für ein Bewerbungsfoto?

Wähle Kleidung, die zur Branche und zur Stelle passt und in der du dich wohlfühlst. Einfarbige Oberteile in ruhigen Tönen wie Dunkelblau, Grau oder Weiß funktionieren in vielen Branchen. Kreative Berufe dürfen lockerer auftreten.

Welche Muster sollte ich vermeiden?

Sehr feine Streifen, kleine Karos und Fischgrätmuster. Sie können im Foto flimmern, weil sich das feine Muster mit dem Raster des Kamerasensors überlagert. Dieser Effekt heißt Moiré.

Darf ich das Bewerbungsfoto auf LinkedIn oder Xing weiterverwenden?

Das hängt von den vereinbarten Nutzungsrechten ab. Klär vorab, ob die Nutzung für Bewerbungsmappe, Online-Profile und soziale Netzwerke ausdrücklich eingeschlossen ist, und lass dir das schriftlich bestätigen.

Quellen

  1. Bewerbungsfoto Wikipedia (de) · abgerufen am 26. Oktober 2026
  2. Anonymisierte Bewerbung Wikipedia (de) · abgerufen am 26. Oktober 2026
  3. Nutzungsrecht Wikipedia (de) · abgerufen am 26. Oktober 2026
  4. Moiré-Effekt Wikipedia (de) · abgerufen am 26. Oktober 2026
  5. Profile photo (LinkedIn Help) LinkedIn · abgerufen am 26. Oktober 2026