Auf einen Blick
- Als Langzeitbelichtung gelten Belichtungszeiten ab etwa 5 Sekunden; ohne Stativ und Fernauslöser oder Selbstauslöser gelingen sie kaum.
- Ein ND-Filter ermöglicht lange Zeiten bei Tageslicht: ND8 schluckt 3 Blendenstufen, ND64 sechs und ND1000 zehn.
- Im Bulb-Modus („B“) bleibt der Verschluss so lange offen, wie du den Auslöser hältst, und erlaubt Zeiten über die Kamera-Voreinstellungen hinaus.
- Bei Sternen ohne Nachführung begrenzt eine Faustformel die Belichtungszeit; die bekannte 500er-Regel ist eine grobe Näherung mit Schwächen.
- Lange Belichtungen erhöhen Rauschen und Hotpixel; die Rauschunterdrückung der Kamera verdoppelt die Wartezeit.
Was ist eine Langzeitbelichtung?
Eine Langzeitbelichtung ist eine Aufnahme mit besonders langer Belichtungszeit, bei der Bewegung als Spur oder Verwischung sichtbar wird. Die Wikipedia zur Belichtungszeit setzt die Grenze bei etwa 5 Sekunden: Kürzere Zeiten bis etwa 1/5000 s gelten eher als Kurzzeitfotografie, längere als Langzeitbelichtung. Die Spanne reicht bis zu Stunden.
Was dabei passiert, siehst du auf dem Foto unten: Autoscheinwerfer auf einer nächtlichen Straße sind zu geschwungenen Lichtspuren geworden. Während der Verschluss offen war, hat sich das Licht durch das Bild bewegt, und der Sensor hat den Weg festgehalten. Was stillsteht, bleibt scharf, was sich bewegt, wird zur Linie oder zur weichen Fläche.
Typische Motive laut Wikipedia zur Langzeitbelichtung sind Lichtspuren von Fahrzeugen, Sternspuren durch die Erddrehung, weiches Wasser und weiche Wolken. Wie Belichtungszeit, Blende und ISO zusammenspielen, erklärt der Ratgeber zu Blende, Verschlusszeit und ISO.
Welche Ausrüstung brauchst du?
Du brauchst ein stabiles Stativ und eine Möglichkeit, die Kamera ohne Berührung auszulösen. Das Stativ hält die Kamera ruhig, damit nur das bewegte Motiv verwischt und nicht das ganze Bild. Dazu kommt ein Kabel- oder Funkauslöser oder alternativ der Selbstauslöser der Kamera, damit der Druck auf den Auslöser keine Verwacklung erzeugt.
Weitere Hinweise aus der Quelle:
- Wenn die Kamera eine Spiegelvorauslösung hat, hilft sie gegen Erschütterungen durch den Spiegel.
- Bei Aufnahmen vom Stativ solltest du den Bildstabilisator ausschalten.
- Für Tageslichtaufnahmen mit langen Zeiten brauchst du einen Graufilter (ND-Filter), dazu gleich mehr.
Praktisch gehört außerdem eine Taschenlampe oder Stirnlampe dazu, damit du bei Dunkelheit die Einstellungen sicher findest, und ein stabiler Stand für das Stativ. Das ist unsere Ergänzung und nicht aus einer Quelle belegt, sie ergibt sich aus der Sache selbst.
Wie funktionieren ND-Filter, und wie rechnest du mit ihnen?
Ein ND-Filter (Neutraldichtefilter oder Graufilter) schluckt Licht gleichmäßig, ohne die Farben zu verändern. So kannst du auch bei Tageslicht lange belichten, ohne dass das Bild überbelichtet wird. Die Wikipedia nennt als Beispiele Wasser und Wolken bei Tag.
Die Stärke wird unterschiedlich angegeben: als Filterfaktor (ND8 heißt, das Licht wird auf ein Achtel reduziert), als Dichte (ND 0,9 entspricht Faktor 8) oder als Blendenstufen. Die Umrechnung nach dem Artikel zum Graufilter:
| Dichte | Filterfaktor | Blendenstufen | Lichtdurchlass |
|---|---|---|---|
| 0,3 | 2 | 1 | 50 % |
| 0,6 | 4 | 2 | 25 % |
| 0,9 | 8 (ND8) | 3 | 12,5 % |
| 1,2 | 16 | 4 | 6,25 % |
| 1,5 | 32 | 5 | rund 3,1 % |
| 1,8 | 64 (ND64) | 6 | rund 1,6 % |
| 2,1 | 128 | 7 | rund 0,8 % |
| 2,4 | 256 | 8 | rund 0,4 % |
| 2,7 | 512 | 9 | rund 0,2 % |
| 3,0 | 1000 (ND1000) | 10 | 0,1 % |
Jede Blendenstufe verdoppelt die nötige Belichtungszeit. Ein Rechenbeispiel zeigt, wie das wirkt: Würdest du ohne Filter mit 1/60 s belichten, ergibt ein ND1000 (10 Stufen, Faktor 1024 gerundet statt 1000) rund 17 Sekunden. Das ist eine Umrechnung zum Verständnis, keine Empfehlung für eine konkrete Szene.
Zwei Hinweise aus der Quelle sind für Einsteiger wichtig:
- Die tatsächliche Filterstärke kann von der Angabe abweichen, bei starken Filtern oft um eine halbe bis eine ganze Stufe. Vergleiche daher die Belichtung mit und ohne Filter.
- Variable ND-Filter sind für lange Belichtungen schwerer zu handhaben, weil sich die Stärke an der Skala nicht zuverlässig ablesen lässt. Meist hilft nur Ausprobieren und Kontrolle am Display.
Bei sehr dunklen Filtern ist der Sucher schwarz. Stelle deshalb zuerst ohne Filter den Bildausschnitt und die Schärfe ein, und setze den Filter erst danach auf.
Was ist der Bulb-Modus, und wann brauchst du ihn?
Im Bulb-Modus („B“) bleibt der Verschluss so lange offen, wie du den Auslöser gedrückt hältst oder wie dein Fernauslöser es vorgibt. Die Wikipedia nennt ihn für Zeiten, die über die voreingestellten Verschlusszeiten der Kamera hinausgehen. Das „B“ steht vermutlich für „Bulb“ und bezieht sich auf frühere Auslöser mit Gummiball.
Nutze Bulb mit einem Fernauslöser, der die Taste festhalten kann. Mit dem Finger am Kameraauslöser würdest du das Bild verwackeln. Für Zeiten bis etwa 30 Sekunden reicht oft die normale Belichtungszeit, wenn die Kamera sie anbietet. Die Zeitgrenzen sind je nach Kamera verschieden, schau in deine Anleitung.
Wie fotografierst du Lichtspuren?
Lichtspuren entstehen, wenn sich Lichtquellen wie Autoscheinwerfer während der Belichtung durchs Bild bewegen. Nach Einbruch der Dämmerung ist die Kombination aus Restlicht im Himmel und Fahrzeuglicht besonders reizvoll. Die Blaue Stunde tritt laut Wikipedia auf, wenn die Sonne etwa 4 bis 8 Grad unter dem Horizont steht, und dauert in Mitteleuropa je nach Jahreszeit grob 30 bis 50 Minuten.
Das Foto unten zeigt die beleuchtete Alte Brücke in Heidelberg bei Nacht mit dem angestrahlten Schloss im Hintergrund; die Lichter spiegeln sich im Neckar. Allgemein gilt: Eine Brücke bei Dämmerung bietet sich für Langzeitbelichtungen an, weil Wasser, Lichter und Verkehr zusammenkommen. Ob Aufnahmen an einem konkreten Ort erlaubt sind und wo du stehen kannst, solltest du vor Ort prüfen. Weitere Orte stehen im Ratgeber Fotospots in Heidelberg.
Wichtige Gestaltungsregeln:
- Verkehr als Linie: Fahrzeuge in beide Richtungen ergeben weiße (Scheinwerfer) und rote (Rücklichter) Spuren.
- Führende Linien: Eine Straße, die sich durchs Bild schlängelt, macht die Spuren zum Bildaufbau.
- Ruhige Bildteile: Gebäude und Brücken bleiben scharf, wenn die Kamera fest steht.
Wie bekommst du Wasser und Wolken weich?
Weiches Wasser entsteht, wenn du bei Tageslicht lange belichtest, und dafür brauchst du in der Regel einen ND-Filter. Fließendes Wasser, Brandung oder ziehende Wolken verwischen zu einer glatten, nebelartigen Fläche, während Felsen und Ufer scharf bleiben. Ohne Filter würde das Bild bei langer Zeit überbelichtet.
Die Vorgehensweise: Stelle den ND-Filter vor das Objektiv und wähle die Belichtungszeit so, dass die Bewegung sichtbar verwischt, zum Beispiel über mehrere Sekunden. Die Zahl hängt vom Wasser, vom Licht und vom Filter ab. Lass dich vom Histogramm leiten: Wie das geht, steht im Ratgeber Histogramm.
Wie funktionieren Sternspuren, und was ist die 500er-Regel?
Sternspuren entstehen durch die Erddrehung: Bei sehr langer Belichtung zeichnen die Sterne Bögen, die um den Polarstern kreisen. Das Foto unten zeigt Sternspuren über einer dunklen Hügelkette. Dort ist der Himmel in Bögen gezeichnet statt in Punkten.
Willst du dagegen Sterne als Punkte, darfst du nicht zu lange belichten. Dafür gibt es Faustformeln. Die Wikipedia zur Astrofotografie nennt: Höchste Belichtungszeit in Sekunden gleich 420 geteilt durch (Brennweite mal Formatfaktor). Je nach Anspruch an das Ergebnis sind Zähler zwischen 400 und 600 möglich, und für punktförmige Sterne sollen es nicht mehr als zwei Minuten sein.
Die bekannte 500er-Regel ist der Fall mit Zähler 500: Du teilst 500 durch die Brennweite (an Crop-Kameras durch die umgerechnete Kleinbildbrennweite) und erhältst die Sekunden. Beim Wert 500 liegt sie in der genannten Spanne. Zum Beispiel ergibt die Formel der Quelle für 50 mm am Kleinbildformat 8,4 Sekunden, mit 500 rechnerisch 10 Sekunden.
Die Grenzen der Regel:
- Sie ist eine Näherung. Wie stark Sterne ziehen, hängt auch von der Richtung am Himmel ab. Die Quelle rechnet ausdrücklich mit einer mittleren Deklination.
- Je höher die Auflösung deiner Kamera, desto eher fallen Spuren schon bei kürzeren Zeiten auf. Das folgt aus der Vergrößerung beim Betrachten, ist aber in der geöffneten Quelle nicht beziffert.
- Der Formatfaktor muss berücksichtigt werden, sonst überschätzt du die Zeit.
Wenn du Sternspuren willst, belichtest du dagegen sehr lange oder fügst viele kürzere Bilder später zusammen. Wie viele Aufnahmen und wie lange, hängt von deiner Kamera und dem gewünschten Bild ab, hier gibt es keine allgemeingültige Zahl.
Was ist mit Rauschen bei langen Belichtungen?
Bei langen Belichtungen steigt das Rauschen, und Hotpixel treten häufiger auf. Das steht im Artikel zum Bildrauschen: Rauschen nimmt mit der Belichtungszeit zu, besonders bei Nachtaufnahmen, und mit der Sensortemperatur. Hotpixel sind einzelne Pixel mit ungewöhnlich hohem Dunkelstrom.
Die Gegenmaßnahme in der Kamera heißt Langzeitbelichtungs-Rauschunterdrückung. Die Kamera nimmt nach der eigentlichen Aufnahme bei geschlossenem Verschluss ein Dunkelbild mit derselben Zeit auf und zieht dessen Rauschen vom Foto ab. Der Preis: Die Aufnahme dauert doppelt so lange, und die Kamera ist währenddessen blockiert. Bei einer Belichtung von 30 Sekunden wartest du also zusätzlich etwa 30 Sekunden.
Bei Sternen lohnt sich deshalb oft: Funktion testweise ein- und ausschalten und das Ergebnis vergleichen. Wenn du viele Einzelbilder machst, kann die Wartezeit dir Bilder in der Reihe kosten.
Schritt für Schritt: Deine erste Langzeitbelichtung
Mit dieser Anleitung bekommst du eine solide erste Aufnahme. Passe die Zahlen an dein Motiv an.
- Stelle die Kamera auf das Stativ und achte auf einen sicheren Stand.
- Schalte den Bildstabilisator aus und wähle, wenn du kannst, RAW als Format. Warum, erklärt der Ratgeber zu RAW oder JPEG.
- Komponiere das Bild und stelle auf manuellen Fokus um, sobald die Schärfe sitzt, damit der Autofokus nicht neu sucht.
- Wähle einen niedrigen ISO-Wert, damit das Rauschen gering bleibt.
- Stelle die Belichtungszeit oder Bulb ein. Bei Tageslicht setzt du einen ND-Filter auf.
- Löse mit Fernauslöser oder Selbstauslöser aus.
- Prüfe das Ergebnis am Display und im Histogramm. Zu hell: kürzere Zeit oder stärkerer Filter. Zu dunkel: längere Zeit.
- Wiederhole die Aufnahme mit einer anderen Zeit und vergleiche, denn der Effekt hängt stark von der Geschwindigkeit der Bewegung ab.
Welche Fehler passieren häufig?
- Stativ zu leicht oder wackelig: Wind und weicher Boden verwackeln das Bild. Hänge bei Bedarf Gewicht an das Stativ.
- Kamera mit dem Finger ausgelöst: Nutze Fernauslöser oder Selbstauslöser.
- Bildstabilisator an: Auf dem Stativ kann er die Aufnahme verschlechtern. Die Quelle rät, ihn auszuschalten.
- Filter nach dem Scharfstellen nicht beachtet: Bei dunklen ND-Filtern findet der Autofokus oft nichts mehr. Stelle vorher scharf.
- Bei Sternen zu lange belichtet: Aus Punkten werden kleine Striche. Rechne mit der Formel oder verkürze die Zeit.
- Rauschunterdrückung vergessen: Die Wartezeit nach dem Foto wirkt wie ein Absturz der Kamera, ist aber Absicht.
Checkliste vor der Aufnahme
- Stativ steht sicher, Kamera fest verschraubt.
- Bildstabilisator aus, Fernauslöser oder Selbstauslöser bereit.
- Bildausschnitt und Schärfe eingestellt, Autofokus danach ausgeschaltet.
- Bei Tageslicht ND-Filter dabei, Stärke gewählt.
- Akku geladen, denn lange Belichtungen und Dunkelbilder kosten Strom.
- Speicherkarte mit Platz, vor allem bei RAW und Serien.
Häufige Fragen
Ab wann spricht man von Langzeitbelichtung?
Nach der Wikipedia gelten Belichtungszeiten von mehr als etwa 5 Sekunden als Langzeitbelichtung. Kürzere Zeiten bis etwa 1/5000 s zählen eher als Kurzzeitfotografie. Zwischen beiden Werten liegen normale Belichtungszeiten.
Wie viele Blendenstufen schluckt ein ND8-Filter?
Ein ND8-Filter hat den Filterfaktor 8, das entspricht 3 Blendenstufen. Er lässt 12,5 Prozent des Lichts durch. Ein ND64 schluckt 6 Stufen, ein ND1000 etwa 10 Stufen.
Was ist die 500er-Regel?
Die 500er-Regel teilt 500 durch die Brennweite, um die längste Belichtungszeit in Sekunden zu schätzen, bei der Sterne noch als Punkte erscheinen. Sie ist eine grobe Faustregel: Die Wikipedia nennt eine ähnliche Formel mit 420 im Zähler und hält Werte von 400 bis 600 je nach Anspruch für möglich.
Warum wartet die Kamera nach einer langen Belichtung?
Viele Kameras nehmen nach der Aufnahme bei geschlossenem Verschluss ein Dunkelbild auf und ziehen es ab, um Hotpixel und Rauschen zu mindern. Das verdoppelt die Zeit, in der die Kamera nicht einsatzbereit ist.